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"The solaris recycling project"

Symposium / Ausstellung "Wandel"

Köln, Odonien (10 versch. Standorte) 2013

QR-Codes auf selbstklebender Folie

Serie 10-teilig, Aufkleber 7 x 7 cm

© Barbara Haiduck 2013
© Barbara Haiduck 2013

Wirst du aus nächster Nähe die Dinge deutlich sehen oder werden die Träume an Körperhaftigkeit die Eindrücke des Wachseins übertreffen?

 

/Are you going to see things clearly at close range or will the corporeality of dreams surpass the impressions of your waking hours?/ 

© Barbara Haiduck 2013

Wirst du die erfüllende Präsenz des Schlafes fürchten und im Glanz der roten Sonne in apathischer Demütigung verharren?

 

/Will you fear the imbuing presence of sleep and poise in apathetic mortification in the red splendor of the sun?/

© Barbara Haiduck 2013

Wirst du die Programmierung des Experiments wiederholen, auch mit der Empfindung der Ungewissheit, ob der Belag organischer Herkunft ist?

 

/Will you repeat the programming of the experiment even if there is a certain degree of uncertainty whether the coating is of organic origin?/

© Barbara Haiduck 2013

Wirst du der Versuchung erliegen den Kreis der grauen Arena zu gewahren, wenn alle Mittel zum Gegenstand der Dienstbarkeit werden?

 

/Will you succumb to the temptation of becoming aware of the grey arena when all measures come to be the object of servitude?/

 

 

 

© Barbara Haiduck 2013

Wirst du die Sicherung der homogenen Gebilde in der dargelegten Abfolge gewährleisten sowie mit einer schützenden Membran das formlose Gewimmel zunichte machen?

 

/ Will you ensure the safeguard of the homogeneous pattern within the expounded sequence as well as eradicate the formless swarm with a protective membrane? /

 

© Barbara Haiduck 2013

Wirst du den Verlauf der Sequenzen zur Gänze von deinem Willen abhängig machen, auch wenn das Fehlen einer Reaktion den Bericht manipuliert?

 

/Will you make the course of the sequences entirely dependent on your own willpower even if the absence of a reaction manipulates the account?/

 

© Barbara Haiduck 2013

Wirst du den besinnungslosen Schwebezustand, der sich auf der leblosen Fläche ins Unendliche hinzieht, bewältigen, ohne ein Repetierwerk der Hoffnungen zu sein?

 

/Will you cope with the insensible state of suspense that infinitely stretches out on an empty area without becoming a work of revisory hopes? /

 

© Barbara Haiduck 2013

Wirst du das nahende Beben des Entsetzens erdulden, sobald die Prozedur der Materialisierung der Gedanken aufgezeichnet ist?

 

/Will you face up to the approaching trembles of dismay as soon as the action plan for the materialization of thoughts is recorded? /

 

© Barbara Haiduck 2013

Wirst du in den wirren Labyrinthen irisierenden Geflimmers das Unsichtbare erfassen und den Befehl der emotionalen Kontaktaufnahme ausführen?

 

/Will you grasp the invisible within the erratic labyrinths of iridescent shimmering and carry out the order of initial emotional contact? /

 

© Barbara Haiduck 2013

Wirst du den Quellen des irdischen Phänomens folgen, obwohl die Gedanken der Schuld, die dort entspringen, keinerlei Bedeutung gewinnen werden?

 

/Will you follow the source of the terrestrial phenomenon even though the thoughts of guilt arising there will not gain any importance? /

 

© Barbara Haiduck 2013

Barbara Haiduck

"The solaris recycling project" 2013

 

Den Blick auf das Display unserer Handys geheftet, verbunden mit Suchmaschinen und im ständigen „Dialog“ mit sozialen Netzwerken, durchstreifen wir informationshungrig die Welt. QR-Codes geben an Kulturorten und Sehenswürdigkeiten direkte, schnelle Auskunft. Das Pixelraster verbindet zumeist mit Webseiten, erspart Infotafeln oder den Blick in den Stadtführer.

Zehn QR-Codes sind als Aufkleber auf dem Gelände des Odonien an verschiedenen Standpunkten platziert. Mittels einer App kann der Besucher die verschlüsselte Botschaft auf seinem Smartphone in eine sofort lesbare Textnachricht umwandeln.

Allerdings wird keine, wie vom Medium erwartet, schnelle Antwort sichtbar (QR=Quick Response), sondern es erscheinen auf dem Display an den Leser persönlich gerichtete Fragen. Zusammengesetzt und in neue Sinnzusammenhänge gestellte, „recycelte“ Wörter und Satzfragmente aus dem Science Fiction Klassiker „Solaris“ von Stanislaw Lem artikulieren Fragen, die den Leser bezüglich seines zukünftigen Handelns und seiner Seelenbefindlichkeit ansprechen, aber auch zugleich eine Fremdbestimmung anderer, fremder „Mächte“ implizieren. 

Der Ort Odonien, eine der letzten Bastionen und Inseln eigenbestimmten, kreativen Schaffens und jenseits kommerzieller Großevents, ist umgeben von Bordellen, Bahntrassen und Brachgelände. Der Kontrast der Lage zu seinem Umfeld und die Aura des Geländes machen den Wandel der Zeit auf dem „Kulturplaneten“ Odonien und damit auch die Fragen nach einem weiteren Bestand noch präsenter.

Bei allen Überlegungen, mit denen wir versuchen Bilder von künftigen Prozessen und Möglichkeiten zu entwerfen, stellt sich letztlich auch immer die Frage nach der individuellen Perspektive und eigener, elementarer Befindlichkeit: „Was werde ich in Zukunft tun, wo werde ich sein und wie werde ich mich fühlen?“

„Solaris“, 1961 von Lem geschrieben, 1972 von Andrej Tarkowski und 2002 von Steven Soderbergh verfilmt, ist eine philosophische Fabel, die Liebe, Tod und Existenz wie auch Projektion von Erinnerung, Realität und Zukunft thematisiert. Das Projekt „Solaris“, die Erforschung eines fremden Planeten, wird eine Fahrt ins Fremde und Unbekannte, zugleich zur metaphysischen Reise in die Innenwelt der eigenen Kultur sowie an die Grenzen wissenschaftlicher Erkenntnis und menschlichen Seins. Bei der Erkundung des Anderen und Fremden trifft man immer wieder auf sich selbst.